Chronik – chronologisch


1984

Am 10. Januar löste die Schlagzeile „Chefarzt operierte uns zu Krüppeln“ in der Hamburger Morgenpost den Skandal um den Orthopäden Prof. Dr. Dr. Dr. Rupprecht Bernbeck aus. Mehr als 200 geschädigte Bernbeck-Patientinnen und Patienten melden sich innerhalb weniger Wochen, die Patienten-Initiative wird gegründet, eine unabhängige Aufklärung, unbürokratische Schadensregulierung sowie eine unabhängige Patienten – Beschwerdestelle werden gefordert.
Die Patienten-Initiative berät in monatlichen Veranstaltungen Betroffene, wertet die Erfahrungen aus und informiert die Presse.
Im Herbst entlastet die so genannte „unabhängige Kommission“ der Gesundheitsbehörde Bernbeck in ihrem Gutachten. Nachdem nachgewiesen wird, dass die Sachverständigen schlampig und in falsch verstandener „Kollegialität“ gearbeitet haben, zieht die Gesundheitsbehörde ihr Gutachten zurück. Rechtsanwalt Wilhelm Funke übernimmt die Vertretung zahlreicher Geschädigter und zusammen mit ihm, dem Morgenpost Reporter Gerd-Peter Hohaus und einigen Abgeordneten der Hamburger Bürgerschaft arbeitet die Patienten-Initiative in mühsamer Arbeit gegen die Vertuschung an.

1985

und

1986

Daraufhin wird ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss eingesetzt, so genau wurde der Medizinbetrieb noch nie unter die Lupe genommen. Im Abschlussbericht sind etliche Beschlüsse enthalten: Einrichtung einer unabhängigen Patientenberatungsstelle, wirksame Qualitätskontrollen ärztlicher Tätigkeit, Abbau hierarchischer Strukturen in Krankenhäusern, Änderung der ärztlichen Berufsordnung – all das wird nur zum kleinen Teil umgesetzt und wirkt noch heute – 2017 – in der Rückschau innovativ und notwendig!
Die seit vier Jahren ehrenamtlich tätige Patienten-Initiative gründet im September einen Verein und beansprucht die Trägerschaft für die von der Bürgerschaft gewünschte Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten.

1987

Die Gesundheitsbehörde hat andere Pläne: Sie will die Beratungsstelle bei der Verbraucherzentrale anbinden. Patienten-Initiative, Bürger und Medien protestieren; erfolgreich: Der Patienten-Initiative werden vier ABM-Stellen und Zuwendungen der Stadt bewilligt. Die Verbraucherzentrale startet ihre Patientenberatung mit ähnlichen Ressourcen.
Zivilrechtlich sind fast alle Bernbeck-Verfahren abgeschlossen: von den rund 270 Ansprüchen sind cirka 170 (66 %) zugunsten der Patienten entschieden worden. Rund 28 Millionen DM hat die Stadt und die Allianz als Haftpflichtversicherer von Bernbeck gezahlt. Im Strafverfahren gegen Prof. Bernbeck gab es eine Geldstrafe in Höhe von DM 7 000.

1988

Die Patienten-Initiative mietet zum Jahresbeginn einen ehemaligen Laden im Stadtteil Winterhude an und setzt dort bezahlt ihre ganzheitliche Beratungs- und Betreuungsarbeit fort. Vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entwickeln Standards für die Unterstützung von Ratsuchenden rund um das Thema Gesundheit und Patientenrechte. Das „Profil Patientenberatung“ gibt es noch nicht, der Verein leistet Pionierarbeit.
Die Gesundheitsbehörde lässt die Arbeit der Patienten-Initiative und Verbraucherzentrale wissenschaftlich begleiten.

1989 – 1993

Das Gutachten bescheinigt beiden Einrichtungen gute Qualität und kommt zu dem Schluss, dass hohe Fallzahlen und beträchtliche Arbeitsüberlastung einen höheren Beratungsbedarf signalisieren als Patienten-Initiative und Verbraucherzentrale zusammen bewältigen können. Der konzeptionell ganzheitliche Arbeitsansatz der Patienten-Initiative wird als Ergänzung zur Arbeit der Verbraucherzentrale geschätzt.
Die Patienten-Initiative kann sich auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren und versucht ein Gleichgewicht zwischen den beiden Säulen der Patienteninteressenvertretung zu finden: individuelle Hilfe und Begleitung von Patienten und Vertretung ihrer Belange gegenüber den verantwortlichen Akteuren. Die Patienten-Initiative begleitet Schlichtungsverfahren, informiert bei dem Verdacht von Fehlerhäufungen die Ärztekammer, schaltet Behörden ein, unterrichtet Medien und fordert die Politik auf, für Patienteninteressen einzutreten.
„Tödliche Strahlen im UKE“; diese Schlagzeile der Hamburger Morgenpost von Gerd-Peter Hohaus bringt im Juni 1993 den zweiten großen Medizinskandal ins Rollen. Im UKE haben der Chef der Radiologie Prof. Hübener sowie Prof. Frischbier Krebskranken über mehrere Jahre überhöhte Strahlendosen verabreicht. Wieder sind Hunderte Patienten betroffen, rund 320 Ansprüche werden gestellt.
Gerd-Peter Hohaus erhält für seine couragierte Berichterstattung den Wächterpreis der deutschen Tagespresse.
Die Patienten-Initiative unterstützt die Betroffenen und kann entscheidend dazu beitragen, dass die Behörde diesmal schneller handelt und die Patientinnen und Patienten rechtliche Beratung in Anspruch nehmen können.

Mitte bis Ende 1994

Der Senat will eine Fusion der Patienten-Initiative unter dem Dach der Verbraucherzentrale erzwingen. In öffentlichen Protesten unterstützen Bevölkerung, GAL, CDU und AOK die Forderung der Patienten-Initiative nach einer eigenständigen Beratungsstelle, die von der Verbraucherzentrale nicht unterstützt und von der SPD abgelehnt wird. Die Mitglieder der Patienten-Initiative stimmen der Fusion nicht zu, um das eigene Profil nicht zu verlieren. Die Behörde streicht daraufhin die Zuwendungen.
30. April 1995
Die Beratungsstelle der Patienten-Initiative kann nicht gerettet werden und muss Ende April schließen. Die Arbeit wird ehrenamtlich fortgesetzt. Die AOK stellt Räume zur Verfügung, denn die Patienten-Initiative hat kein eigenes Büro mehr. Die Beratung findet weiter telefonisch und persönlich an verschiedenen Orten statt.

1996

Die Patienten-Initiative ist wieder da. Am 29. Mai 1996 wird in der Preystraße zusammen mit dem Info-Winterhude eine kleine Geschäftsstelle eröffnet. Zweimal in der Woche werden wieder telefonische Sprechzeiten angeboten, persönliche Beratung ist möglich. Durch eine Förderung über das Schwerbehindertengesetz können zwei Berater_innen eingestellt werden.

1997

Die Arbeit bekommt ein neues Schwerpunktthema: Beschwerden über ambulante und stationäre Pflege werden den Einrichtungen zurück gemeldet, Angehörige und Pflegebedürftige bei der Klärung unterstützt.
Mit Hilfe von kurzfristigen Projekten und Unterstützung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, dessen Mitglied die Patienten-Initiative seit dem 1.4.1997 ist, werden bis zum Herbst die fehlenden Personalkosten finanziert, können aber nicht dauerhaft abgesichert werden, so dass ein Mitarbeiter entlassen werden muss.
Gleichzeitig werden in der Beratung 987 Erstkontakte und rund 1500 Folgekontakte dokumentiert.

1998

Aus der Zusammenarbeit mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband entsteht das Projekt „Pflegelotse“, die Patienten-Initiative bietet Beratung für pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige an.

1999

Die Patienten-Initiative nutzt das 15jährige Bestehen für umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit. Ein Konzept zur Patientenberatung im Krankenhaus wird entwickelt und das Projekt [PI(K)] „Patienten-Initiative im Krankenhaus“ im Allgemeinen Krankenhaus St. Georg gestartet, mit finanzieller Unterstützung der Klinik und einer Anschubfinanzierung der AOK Hamburg.
Das Projekt „Pflegelotse“ läuft aus.

2000

Das Projekt [PI(K)] Patienten-Initiative im Krankenhaus wird weiter entwickelt, das Klinikum Nord, Betriebsteil Heidberg steigt in das Projekt ein, das AK St. Georg verlängert den Vertrag um ein Jahr. Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer besucht das bundesweit erste Vorhaben dieser Art im AK St. Georg.
Die Patienten-Initiative zieht zusammen mit dem Info–Winterhude in neue Räume im Goldbekhof.
Der Verein erhält nach einer Ausschreibung der Sozialbehörde den Zuschlag im „Impulsprogramm Pflege“ für ein zweijähriges Projekt, dass die Beschwerdemöglichkeiten von Bewohnern in der stationären Altenhilfe stärken soll.
Am 26. September stirbt unerwartet der Rechtsanwalt Wilhelm Funke, der die Patienten-Initiative seit 1984 unterstützt und sich für die Rechte geschädigter Patientinnen und Patienten eingesetzt hat.

2001

Die [PI(K)] etabliert sich weiter im AK Nord, AK St. Georg und im Dezember kommt das AK Harburg hinzu. Die von [PI(K)] und dem LBK erarbeitete Broschüre „Einfach Ihre Entscheidung: Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung“ entwickelt sich zu einem „Renner“. Bestellungen aus dem gesamten Bundesgebiet gehen ein.
Die allgemeinen Beratungsangebote der Patienten-Initiative werden weiterhin ohne finanzielle Zuwendung geleistet, rund 600 Menschen kontaktieren die Beratungsstelle.

2002

Die Sprechzeiten in der Beratungsstelle der Patienten-Initiative können nicht weiter aufrechterhalten werden.
Die [PI(K)] ist weiterhin im AK St. Georg, AK Nord, AK Harburg tätig. Das Angebot wird durch ein Konzept der aufsuchenden Arbeit direkt auf den Stationen ergänzt. Schwerpunkte bei den Beratungsanliegen sind die Bereiche Kommunikation, Entlassungsmanagement, Wartezeiten und Verdacht auf Behandlungsfehler.
In den Häusern Nord und Harburg werden mit großem Erfolg und in Kooperation mit der BKK Landesverband Nord Kurse zum Erlernen der Selbstuntersuchung der Brust durchgeführt.

2003

Die Beratungsstelle der Patienten-Initiative kann mit ehrenamtlicher Mitarbeit einer Juristin eine einmal wöchentlich stattfindende Sprechzeit anbieten.
In einem einjährigen Projekt stellt die Patienten-Initiative die fachliche Begleitung ehrenamtlicher Vertrauensleute für Beschwerden in Altenhilfe-Einrichtungen.
Die [PI(K)] im AK Nord wird erweitert um den Betriebsteil Ochsenzoll mit 600 Patienten der Psychiatrie. Neben der Beratung sind weitere Schwerpunkte der Arbeit in den Krankenhäusern Informationsveranstaltungen und der Kontakt zu Selbsthilfegruppen.

2004

Unter anderem durch einen Kooperationsvertrag mit der BKK Landesverband Nord konnte die ehrenamtlich engagierte Juristin für die Beratung der Patienten-Initiative in Teilzeit eingestellt werden.
Die Arbeit der [PI(K)] im AK St. Georg und AK Nord verliert Stunden und muss die Einsatzzeiten reduzieren. Regelmäßige Kontakte zum Pflegedirektorium, zum internen Beschwerdemanagement und Qualitätsmanagement werden intensiviert.
Die [PI(K)] im AK Harburg arbeitet mit der neu eröffneten Tagesklinik der Kinder- und Jugendpsychiatrie zusammen.
Die Patienten-Initiative leitet Fortbildungen in Form von Kursen, Vorträgen und Veranstaltungen. In der Bundesarbeitsgemeinschaft der PatientInnenstellen (BAGP) arbeitet die Patienten-Initiative aktiv mit.
Gustav Peter Wöhler gibt im Polittbüro ein umjubeltes Benefizkonzert für die Patienten-Initiative: „Rocken, Schwitzen, Gutes tun!“

2005

Der Kooperationsvertrag mit dem BKK Landesverband Nord wird verlängert und die Beratungsarbeit somit weiter gewährleistet.
Mit Förderung der ARD-Fernsehlotterie startet das Patiententelefon. Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen bieten darüber Beratung und Begleitung zu Arzt- oder Gutachterterminen an.
Die Stadt verkauft ihre Krankenhäuser. Der LBK – Landesbetrieb Krankenhäuser heißt nun Asklepios Kliniken Hamburg GmbH.
In den Kliniken St. Georg und Nord arbeitet die [PI(K)] aufgrund von Budgetkürzungen mit reduziertem Stundenkontingent. [PI(K)] Harburg ist regelmäßig präsent im Patientencafé der Psychiatrie und wird gut in Anspruch genommen.
Die Patienten-Initiative bekommt ein neues Logo, entworfen und gespendet von der Firma Bethmann Design. Das Logo wird beim Patent- und Markenamt eingetragen und auch die Schreibweise des Namens wird geändert (Patienten-Initiative – gut beraten).

2006

Die Asklepios Klinik St. Georg kündigt die Zusammenarbeit mit der [PI(K)]. Schließlich kann die Patienten-Initiative erreichen, dass [PI(K)] fortan für alle sechs Asklepios Kliniken zuständig ist und die Büros in Harburg und Nord erhalten bleiben.
Im Juli wird die Patienten-Initiative Mitglied im Aktionsbündnis Patientensicherheit.
Ein großer Erfolg prägt das Jahr. Nach langen Verhandlungen übernimmt die Patienten-Initiative im Herbst die Trägerschaft für die regionale Beratungsstelle im Verbund Unabhängige Patientenberatung Deutschland GmbH – UPD, ein von den Spitzenverbänden der Gesetzlichen Krankenkassen gefördertes Modellprojekt. Auflage für den Zuschlag ist, dass eine Kooperation mit der Verbraucherzentrale Hamburg e.V. geschlossen wird, um Doppelstrukturen zu vermeiden.
Die Beratungsstelle der Patienten-Initiative bleibt an vier Tagen in der Woche mit überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen geöffnet.

2007

Im Februar bezieht die Unabhängige Patientenberatung Deutschland UPD, Beratungsstelle Hamburg Räume auf dem Alsterdorfer Markt.
Die Beratungsarbeit der Patienten-Initiative im Goldbekhof konzentriert sich verstärkt auf die Themen „vermutete Behandlungsfehler“ und „Beschwerden über Ärzte und Krankenhäuser“.
Obwohl die Finanzierung des Projektes für den Einsatz von Freiwilligen ausläuft, kann die Beratung weiterhin mit drei Ehrenamtlichen fortgeführt werden.
Ab August bietet die Patienten-Initiative eine Online-Beratung an.
Im März geht die neue Website geht ins Netz. Design: Firma Bethmann.
Die Gremienarbeit gewinnt an Bedeutung. Die Patienten-Initiative besetzt das Kuratorium der EQS (Externe Qualitätssicherung Hamburg) und das EQS-Fachgremium Viszeral-u. Gefäßchirurgie.
Kerstin Hagemann wird in das Ethik-Komitee der Asklepios Klinik Barmbek berufen.
Die [PI(K)] ist seit August auch für das Asklepios Westklinikum Rissen tätig.

2008

Im Januar ist Kerstin Hagemann zum traditionellen Neujahrsempfang des Bundespräsidenten in das Schloss Bellevue in Berlin eingeladen, mit dem verdiente Bürgerinnen und Bürger ausgezeichnet werden.
Im Februar geht ein neues Vorhaben an den Start. Die Beratung für ältere türkische Migrantinnen und Migranten. Gefördert wird dieses Projekt im Seniorentreff Altona vom Hamburger Spendenparlament.
Die Sprechstunden im Goldbekhof werden dank der Zuwendung der Dr. Annemarie Walter Stiftung wieder mit einer hauptamtlichen Beraterin geleistet. So werden verlässlich gerade die Menschen begleitet, die keine Mittel haben, um kostenpflichtige Beratung in Anspruch zu nehmen.
Ein lautstarker Auftakt für die Jubiläumsaktivitäten: „Trude träumt von Afrika“ und „Sticks & Stöckl“ geben am 21. November ein ausverkauftes Benefizkonzert im Goldbekhaus. Moderiert von Detlef Wutschek haben alle Besucherinnen und Besucher einen vergnüglichen Abend.

2009

Am 9. Januar feiert die Patienten-Initiative ihren 25-jährigen Geburtstag im goldbekHaus.
Im April findet die Podiumsdiskussion zum Thema “Patientenrechte – alles im Lot?” statt.
23. April 2009: Besuch des Ersten Bürgermeisters Ole von Beust in der PI.
Am 15. September feiert die [PI(K)] vor dem ehemaligen Büro in der Asklepios Klinik St. Georg ihr 10jähriges Jubiläum.

2010

Am 26. März gibt der St. Pauli Down-Home Gospel Choir ein Benefizkonzert.
Die Förderperiode der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland läuft zum Jahresende aus. Über das seit dem Sommer laufende Bieterverfahren wird nicht fristgerecht entschieden, sodass die Beratungsstelle abgewickelt und das Büro geräumt werden muss. Die Mitarbeiterinnen müssen sich arbeitssuchend melden.

2011

2011 startete erfolgreich. Die „alte“ UPD – Unabhängige Patientenberatung Deutschland gGmbh gewinnt die Ausschreibung um die Fortsetzung des Angebots für weitere fünf Jahre. Jetzt ist die Patientenberatung in die Regelfinanzierung der GKV verankert! Im April wird die Beratungsstelle auf dem Alsterdorfer Markt wieder eröffnet. Bis zum Jahresende klären die Beraterinnen knapp 2 800 Anfragen.
Zu Beginn des Jahres überraschen uns Interviewanfragen von Schülerinnen, die sich am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten zum Thema „Skandale“ beteiligen und über den „Bernbeck-Skandal“ schreiben wollten.
Im September findet die Veranstaltung: „Dürfen Ärzte ihrem Bauchgefühl trauen?“ viel Resonanz. In Kooperation mit der TK Landesvertretung Hamburg hat Dr. Wolfgang Gaissmaier vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung seine Erkenntnisse zu diesem Thema vorgestellt.
Die Patienten-Initiative e. V. zählt als Mitglied der BAGP (Bundesarbeitsgemeinschaft der Patientenstellen und -Initiativen) zu den „benannten Patientenvertretungsorganisationen“, die in den Gremien der Selbstverwaltung des Gesundheitswesens aktiv sind. Die Interessenvertretung ist eine wichtige Aufgabe des Vereins und da die Beratung als anderer wichtiger Satzungszweck mit der UPD gesichert ist, gewinnt die aktive Beteiligung an Relevanz.
Fortgesetzt werden unsere Kooperationen mit den Asklepios Kliniken Hamburg GmbH, dem Kath. Marienkrankenhaus und der AOK Rheinland/Hamburg.

2012

Über die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten mit dem Beschwerdemanagement in den Hamburger Krankenhäusern gibt es kaum Informationen. Die Patienten-Initiative konzipiert mit Unterstützung der HAW Hamburg einen Fragebogen, mit dem die Beschwerdeführer selbst Auskunft über ihre Erfahrungen geben können.
Mit einer Pilotstudie zur Barrierefreiheit in der ambulanten Versorgung in Hamburg konnte aufgezeigt werden, dass es sowohl an zugänglichen Informationen als auch einer ausreichenden Zahl an barrierefreien Arztpraxen in Hamburg fehlt.
Daten, die zu barrierefreien Praxismerkmalen im Internet veröffentlicht werden, beruhen auf Selbstauskünften der Ärzte, sind unvollständig und unzuverlässig. Die Bezeichnung „Barrierefreie Praxis“ gilt nicht als ein Qualitätsmerkmal.
Wichtig ist, sich nicht nur auf bauliche Barrieren zu begrenzen, die Belange von Menschen mit Lernbehinderten oder Sinnesbeeinträchtigungen müssen genauso berücksichtigt werden.
Am 31.03.2012 liest Schwester Cordula Arztromane auf Einladung der Patienten-Initiative im Goldbekhaus. Es ist ein äußerst vergnüglicher Abend.

2013

Das Jahr war von einer wichtigen Entscheidung geprägt. Nach fast fünfzehnjähriger Kooperation haben wir das Vorhaben [PI(K)] Patienten-Initiative im Krankenhaus zum Jahresende aufgegeben. Was auf den ersten Blick wie ein Verlust aussieht, bewerten wir als Erfolg. Wir haben die Beschwerdewege für Patienten geebnet, die heute für alle Hamburger Krankenhäuser verbindlich gelten und in Anspruch genommen werden. Unser Angebot passte nicht mehr zu diesen Strukturen und so war es ein konsequenter Schritt, das Vorhaben zu beenden.
Die Patientenberatung als wichtige Aufgabe unseres Vereins wird über die Trägerschaft der regionalen Beratungsstelle der UPD gewährleistet. Hier wurden 2014 insgesamt 3340 Beratungen geleistet. 354 Ratsuchende besuchten die Beratungsstelle für ein persönliches Gespräch. Der hohe Anteil in der Beratung mit komplexen Fragestellungen zum Beitragsrecht ist auffällig.
Im Februar trat das Patientenrechtegesetz in Kraft. Es ist kaum mit substanziellen Verbesserungen verbunden. Wir konnten mit einer Zuwendung von Aktion Mensch eine Broschüre über die wichtigsten Patientenrechte in leichter Sprache herausgeben. Rechtsanwalt Oliver Tolmein hat den Text verfasst. Das Heft ist in einer Auflage von 2 000 Exemplaren erschienen und war ruckzuck vergriffen. Bemühungen, eine 2. Auflage zu finanzieren, waren leider nicht erfolgreich.
Die finanzielle Absicherung der Patienten-Initiative steht nach wie vor auf der Tagesordnung. Zeitlich befristete Projekte, die von der Mittelakquise bis zur Durchführung viel Engagement fordern, reichen nicht aus, um die Arbeit der Patienten-Initiative zu gewährleisten. Wir benötigen ein stabileres Fundament. Aus Kostengründen haben wir die Geschäftsstelle im Goldbekhof – schweren Herzens – zum Jahresende aufgegeben.
Mit dem Titel: „Gutes tun mit guter Musik! Gute Musik für gute Beratung!“ unterstützte die UKW Band die Patienten-Initiative. Im August gab es in der Bühne zum Hof einen gut besuchten und umjubelten Abend. Zu unserer Überraschung hatte Ulrich Kodjo Wendt noch eine zweite Band mitgebracht. Mit sprühend guter Laune hat die 16-köpfige LoLaBand mit wilder Weltmusik vom Atlantik bis zum schwarzen Meer dem Publikum eingeheizt.

2014

Barrierefrei – wir sind dabei!
Trotz zahlreicher Informations- und Bewertungsportalen im Internet existieren keine verlässlichen Angaben zur Barrierefreiheit in Arztpraxen und Krankenhäusern.
Dabei ist das dringend erforderlich, denn Menschen mit Behinderungen ist der Zugang zu Einrichtungen der gesundheitlichen Versorgung oft erschwert. Die meisten Barrieren liegen in der ambulanten Versorgung. Arztpraxen haben zum Teil erhebliche Defizite in der Barrierefreiheit. Der vdek hat Daten des Arztbewertungsportals www.vdek-arztlotse.de im Hinblick auf 12 Kriterien zur Barrierefreiheit ausgewertet. Von den bundesweit 196.000 niedergelassenen Ärzten, Zahnärzten und Psychotherapeuten gaben nur rund 21.600 (11%) an, mindestens drei dieser Bedingungen zu erfüllen.
Auch in Hamburger Krankenhäuser fehlt es an Informationen über Ausstattungsmerkmale, die für Menschen mit Behinderungen von entscheidender Bedeutung sein können. Im Februar startete unser Projekt zur Erhebung der Barrierefreiheit in den Asklepios Kliniken Hamburg und konnte erfolgreich zum Jahresende mit einer Fotoausstellung abgeschlossen werden.
Nun wollen wir uns dem ambulanten Bereich zuwenden und mit einer Bestandsaufnahme der Daten zur Barrierefreiheit in den Hamburger Arzt- und Zahnarztpraxen für mehr Transparenz sorgen. Zuverlässige Informationen ermöglichen Menschen mit Behinderung, ihr Recht auf freie Arztwahl wahrzunehmen. Die Hamburger Landeskonferenz Versorgung hat eine AG „medizinische Versorgung für Menschen mit Behinderung“ gegründet und beauftragt, hier konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung vorzuschlagen.
Nach der stark nachgefragten Broschüre zum Patientenrechtegesetz haben wir gefördert von Aktion Mensch mehrere Filme in deutscher Gebärdensprache zu den wichtigsten Patientenrechten produzieren lassen. Diese sind auf unserer Website zu sehen.

In unserer Beratungsstelle der UPD – Unabhängige Patientenberatung Deutschland gGmbH – sind 2014 insgesamt 3.469 Beratungen geleistet worden. Ein deutlicher Schwerpunkt lag auf rechtliche Fragen, nämlich 2.943 Kontakte wurden dem Thema zugeordnet. Psychosoziale Probleme standen bei 1.007 Anfragen im Vordergrund, gesundheitliche Fragen wurden 642 Mal gestellt.
Die Teilnahme an der Ausschreibung des GKV-Spitzenverbandes für den nächsten Förderzeitraum von dann sieben Jahren ist Ende 2014 vorbereitet worden, eine Entscheidung wird Mitte 2015 erwartet.
Auf der Jahresmitgliederversammlung ist der Vorstand neu gewählt worden. Regina Beuck, Sonja Chevallier, Dr. Katharina Juhl und Susanne Wehowsky sind wiedergewählt worden. Neu hinzugekommen ist Astrid Burkhardt.

2015

Das Jahr war von dem Ausschreibungsverfahren um die Förderphase der UPD 2016 bis 2021 geprägt. Zuerst unternahm unsere Bietergemeinschaft erhebliche Anstrengungen, um die vom GKV-Spitzenverband gesetzten Bewerbungskriterien zu erfüllen, obwohl diese erheblich von dem erfolgreichen Konzept „unserer UPD“ abwichen. Es hat nichts genützt: Den Zuschlag hat die Sanvartis GmbH bekommen, ein Unternehmen, das unter anderem als Callcenter für Krankenkassen arbeitet und die Anforderungen an unabhängige und nicht gewinnorientierte Patientenberatung nicht erfüllt. Die Sanvartis GmbH hat eine gemeinnützige GmbH gegründet. Der alleiniger Gesellschafter: Die Sanvartis GmbH.
Das Netz an unabhängiger, kompetenter und qualitätsgesicherter Patientenberatung ist zerschlagen.
Bestanden hat die unabhängige Patientenberatung seit 2006 – zunächst als Modellprojekt und seit 2011 als Teil der gesetzlichen Regelversorgung. Alleine in der zweiten fünfjährigen Förderphase hat die UPD rund 400.000 Beratungsgespräche geführt. Rückblickend auf diese Zeit hat sie 2015 eine Bilanz zu den erreichten Ergebnissen veröffentlicht. Ein zentraler Indikator für den Erfolg ist dabei die Zufriedenheit der Nutzer. Eine Befragung 2014 ergab: 96 Prozent der Patienten beurteilte die Beratung der UPD mit “sehr gut” oder “gut”. Die UPD-Bilanz kann heruntergeladen werden unter: www.v-up.de oder www.vzbv.de/meldung/upd-patientenberatung-zieht-bilanz.
Anfang Dezember haben wir zur Schließung der Beratungsstelle zu einer Abschiedsfeier in die Alte Küche auf den Alsterdorfer Markt eingeladen. Wir wollten uns bei unseren Kolleginnen bedanken und dem Ende der 10jähigen Arbeit einen angemessenen Rahmen geben. Rund 60 Gäste zeigten ihre Wertschätzung für die gute Arbeit und in den Gesprächen zeigte sich das Unverständnis über die Vergabeentscheidung und große Skepsis unsere Kooperationspartner, ob der neue Betreiber unabhängig beraten wird.

Ein weiteres Vorhaben ist zum Jahresende ausgelaufen. Das Projekt zur Stärkung der Barrierefreiheit in den Asklepios Kliniken Hamburg ist nach zwei Jahren beendet worden.
Ziel des Projekts in den Asklepios Kliniken Hamburg GmbH war die nachhaltige Verankerung und Umsetzung von im Vorjahr gewonnenen Erkenntnissen zur Barrierefreiheit in den Krankenhäusern. Die Fotoausstellung, mit der wir das erste Projektjahr 2014 abgeschlossen haben, ist im Laufe des Jahres durch alle Kliniken „gewandert“.

In Kooperation mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Hamburg und Förderung der AOK Rheinland/Hamburg ist im November ein Modellprojekt zur Barrierefreiheit in Arztpraxen an den Start gegangen. Wo finden Menschen mit Behinderung Arztpraxen, die auf ihre Bedarfe eingestellt sind? Mit der Entwicklung eines zuverlässigen Erhebungsinstruments wollen wir die Grundlage zur Beantwortung dieser Frage legen.
Das einjährige Vorhaben sollte aus den vorliegenden Kriterien zur Barrierefreiheit eine Checkliste entwickeln, mit der in Arztpraxen die Gegebenheiten erfasst werden können. Und zwar so detailliert, dass die Informationen ausreichen, um als Patientin und Patient mit Behinderung vor dem Besuch in der Praxis entscheiden zu können, ob der Zugang möglich ist.

Die Patienten-Initiative arbeitet gut vernetzt. Eine Grundlage dafür ist die Patientenbeteiligungsverordnung der Bundesregierung. Diese nennt vier bundesweit organisierte Patientenorganisationen, die zur Beteiligung in wichtigen Gremien zur Steuerung des Gesundheitswesens berechtigt sind. In den Bundesländern sollen die entsprechenden regionalen Organisationen beteiligt werden. Das sind für Hamburg: Die Verbraucherzentrale, KISS Hamburg, der Landesarbeitsgemeinschaft der Behindertenverbände (LAG) und die Patienten-Initiative. Diese vier Organisationen haben sich zum Forum Patientenvertretung zusammengeschlossen. In diesem Gremium stimmen wir unsere Aktivitäten und Positionen ab, um die vielfältigen Aufgaben wahrzunehmen. Es gibt auch eine eigene Website: www.patienten-hamburg.de.